Die Herrnhuter Losung vom letzten Sonntag hat mich diese Woche nicht mehr loslassen. Ein Vers aus Jesaja 48 führt mich zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme meiner ersten drei Monate in Kambodscha.
Sie litten keinen Durst, als der Herr sie leitete in der Wüste. Er ließ ihnen Wasser aus dem Felsen fließen.
Jesaja 48,22
Keine Wüste – und doch irgendwie schon
Jesaja 48,22 sagt: „Sie litten keinen Durst, als der Herr sie leitete in der Wüste. Er ließ ihnen Wasser aus dem Felsen fließen.“ Dieser Vers hat mich sehr angesprochen. Gleichzeitig will ich nicht übertreiben: Es wäre anmaßend zu behaupten, mein Leben hier sei eine Wüste. Es geht mir gut, ich habe alles, was ich zum Leben brauche.
Und doch – ein bisschen ist es trotzdem Wüste.
Fremde Fliesen, fremde Sprache
Ich bin hier nicht zu Hause. Eine fremde Kultur umgibt mich, eine Sprache, die sich mir nur langsam erschließt, und Hitze, die meine Energie schneller verpuffen lässt, als mir bewusst war. Unsere Wohnung ist schön – aber vertraut fühlt sie sich noch nicht an. Fliesenboden statt Laminat, rosa gefliestes Wandwerk statt gewohnter Tapete.

Draußen reißt der Geräuschpegel nie ab: Nachbarn, weinende Kinder, fliegende Verkäufer, die über Lautsprecher ihr Obst und Gemüse anpreisen.

Der Fels, aus dem Wasser fließt
Umso schöner ist diese Zusage: Der Herr leitet mich – auch in dieser kleinen Wüste. Er ist dabei, er versorgt. Auch wenn es heiß ist und das Leben anstrengend, muss ich keinen Durst leiden, solange ich an Jesus bleibe.
Jesus selbst lädt dazu ein. In Johannes 7,37–38 heißt es: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.“

Nicht Theorie, sondern Alltag
Das ist für mich keine ferne Theologie, sondern etwas, das ich Tag für Tag neu erleben darf. Trotz aller Mühsal nicht austrocknen, nicht verdursten, sondern frisch bleiben – wie es Psalm 1 beschreibt: „Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und alles, was er tut, gerät wohl.“
Genau das wünsche ich mir für diese erste Zeit in Kambodscha: verwurzelt bleiben, auch wenn der Boden ungewohnt ist.
Frage zum Weiterdenken: Wo erlebst du gerade eine „Wüstenzeit“ – und was hilft dir, nicht auszutrocknen? Schreibe es gerne in die Kommentare.
