Mut zum geistlichen Ausmisten – oder: Der göttliche Schredder

In den letzten Wochen drehte sich bei uns zu Hause alles um ein Thema: Koffer packen für Kambodscha. Jeder, der schon einmal umgezogen ist, weiß, was das bedeutet: Man muss radikal ausmisten.

Immer mehr Kisten stapeln sich in meinem Büro…

Dabei haben wir mit Erschrecken festgestellt, wie unfassbar viele Dinge wir in 17 Jahren angesammelt haben. Wir haben uns nämlich dummerweise nicht an das kluge Alltags-Prinzip gehalten: „Wenn man etwas Neues anschafft, muss zuerst etwas Altes weg.“ Das hat sich gerächt. Die Schränke waren voll, und vieles von dem, was wir über die Jahre angehäuft haben, passte überhaupt nicht mehr zusammen.

Geister der Vergangenheit

Dieses Erlebnis beim Kofferpacken hat uns ins Nachdenken gebracht. Ist es in unserem persönlichen Glaubensleben – und vielleicht auch im Leben einer Gemeinde – nicht oft ganz ähnlich?

Über die Jahre sammeln wir Traditionen, geistliche Gewohnheiten und theologische Muster an. Vieles davon ist gut und wertvoll. Aber oft packen wir einfach immer nur Neues obendrauf, ohne das Alte jemals zu entsorgen. Manches passt nicht mehr in unser Leben, in unsere Zeit, in unsere Gemeinde. Dann wird aus Tradition „geistlicher Ballast“ –weil man etwas „schon immer so gemacht hat“.

In Kambodscha erleben wir oft Menschen, die aus reiner Tradition oder Angst vor den Geistern an Ritualen festhalten, auch wenn ein neuer Weg sie in größere Freiheit führen würde. Aber Hand aufs Herz: Haben wir nicht auch manchmal Angst, die „Geister der Vergangenheit“ loszulassen? Wir halten an alten Strukturen, schädlichen Gottesbildern oder unbiblischen Lehren fest. Und das, obwohl wir als Christen ein wunderbares Privileg der Freiheit haben! Wir müssen nicht alles „aufheben“, wir dürfen uns erneuern.

Der Schredder der Gnade

Paulus bringt es im 1. Thessalonicherbrief (5,21) wunderbar entspannt auf den Punkt: „Prüft alles, und das Gute behaltet.“

Das Gute – das Zentrum des Evangeliums, unsere Liebe zueinander – das ist unser Schatz. Den bewahren und pflegen wir. Aber der Rest? Weg damit! Und bitte nicht in irgendeine fromme Rumpelkammer räumen, sondern wirklich entsorgen. Ich nenne das gerne: Ab in den großen Schredder der Gnade Jesu. Da ist es wirklich weg.

Bei jeder einzelnen ausgeräumten Schublade haben wir erlebt: Je radikaler man loslässt, desto leichter wird man. Genau diese theologische und ganz praktische Leichtigkeit, diesen Mut zum geistlichen Ausmisten, wünsche ich euch für euer Leben!

Persönliche gefragt: Was fällt dir am schwersten beim „geistlichen Ausmisten“? Ich freue mich auf eure Gedanken in den Kommentaren!

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