(Kontext: Ein Bericht über eine Besuchstour in Gamleig und die Frage, wie der Glaube an Jesus in einer Krisensituation praktisch herausgefordert wird.)
Letzte Woche waren wir – Daniel, Weiwei und ich – wieder auf einer Besuchstour in Gamleig. Wir wurden in einige Häuser eingeladen, konnten mit den Bewohnern sitzen, reden und auch von Jesus erzählen.
Im letzten Haus lag ein 13-jähriger Junge mit hohem Fieber. Die Mutter war hilflos: Vor wenigen Stunden hatte er noch mit seinen Freunden gespielt, doch als er heimkam, klagte er über Kopfweh. Plötzlich verdrehte er die Augen, hatte extrem hohes Fieber und war fast ohnmächtig. Was tun?
Wir erzählten von Jesu heilender Macht und Liebe zu uns. Wir erklärten der Mutter, wie sie selber beten kann, und dann legten wir dem Jungen die Hände auf.
Als wir fertig waren, stand plötzlich ein Nachbar mit einer großen Spritze eines uns unbekannten Antibiotikums in der Tür. Keine Ahnung, wo er die her hatte – wahrscheinlich lag die noch irgendwo zu Hause rum. Das ist typisch Khmer: Spritzen helfen immer! Aber diese starke Medizin für einen relativ schmächtigen Bub sah eher wie Gift aus…
Zwei Tage später kamen wir wieder. Der Junge war wieder gesund. Was hatte geholfen? Jesus? Die Medizin? Die Mutter hatte eine dritte Lösung parat: Weil der Junge im Fieberwahn die Augen so verdreht hatte, war sie sicher, dass er sich einen Dämonen „eingefangen“ hatte. Also holte man zusätzlich einen Zauberdoktor, der durch ein Ritual den Geist „austrieb“. Und als es dem Jungen am nächsten Morgen viel besser ging, war für die Leute im Dorf klar: Der Zauberdoktor hat geholfen!
Das war ein Frust! Da wäre die absolute Gelegenheit gewesen, Jesu Macht zu testen! Aber statt zu glauben und alles auf die Karte „Gebet“ zu setzen, geht man auf Nummer sicher und probiert gleichzeitig mehrere andere Sachen zur Hilfe. Das geht ja sogar uns Christen in Krisenzeiten oft so!
Da die Frau aber noch fast nichts von Jesus gehört hatte, nehme ich ihr das nicht übel. Aber ich wünsche mir einmal eine Situation, wo wir „Jesus pur“ anwenden können – unverdünnt, unverfälscht – und dann sehen: Jesus hat tatsächlich ALLE MACHT!
