(Kontext: Nach unserer langen Zeit in Kambodscha sind wir im kalten Dezember 2008 wieder in Deutschland gelandet. Diese ersten Tage in der neuen Wohnung in Mücke waren geprägt von der Freude über das Wiedersehen, aber auch von einem ganz ehrlichen „Umkehr-Kulturschock“.)
Einzug in eine neue Welt Jetzt sind wir schon fast 36 Stunden in unserer neuen Wohnung. Sie ist viel größer, als wir sie in Erinnerung hatten, und alles, was wir brauchen, ist schon vorhanden. Den heutigen Tag haben wir damit verbracht, Kleider zu sortieren, die unsere Gemeinden für uns gesammelt hatten – wir sind immer noch nicht fertig damit!
Die Kinder mögen zwar die Kälte nicht, aber den Rest-Schnee finden sie klasse. Er schmeckt nämlich so ähnlich wie das Schabeis, das sie in Kambodscha immer gegessen haben. Nur dass wir hier keinen Sirup auf die weiße Pracht gießen – was wir eigentlich mal machen und dann in der Nachbarschaft verkaufen könnten…
Das Leben ist kompliziert! Natürlich haben wir auch die ganz normalen Anfangsprobleme, die uns zeigen, wie sehr wir uns umstellen müssen:
- Warum muss man den ganzen Tag Socken und Schuhe tragen? (Bianca und Julia)
- Wieso dauert es so lange, bis man alle Kinder angezogen hat, wenn man nur mal kurz ins Freie gehen will? (Marlen und Joachim)
- Wieso darf man sich beim Spielen im Haus nicht einfach mal bis auf die Unterhose ausziehen, wie man es doch sonst jeden Tag tut? (Julia)
- Warum muss man beim Einwohnermeldeamt im kalten Flur warten und nicht im Büro, nur weil gerade andere Leute an der Reihe sind? (Joachim)
Das Leben in Deutschland ist wirklich kompliziert! Dagegen genießen wir das gute Brot, die frische Butter und echte Milch. Und das Autofahren – schließlich bin ich in Kambodscha in all den Jahren kein einziges Mal selbst am Steuer gesessen.
Wintereinbruch und die Suche nach Halt Passend zu unserer Ankunft gab es gestern den ersten richtigen Wintereinbruch. Als wir uns Evelyns neue Schule ansehen wollten, war dort kaum etwas los, da die Schulbusse im Schnee feststeckten. So hatten wir Zeit, mit den Nachbarskindern Schneemänner zu bauen und eine Schneeballschlacht zu machen. Jetzt geht es weiter in die Schweiz zu Marlens Eltern. Wir hoffen, dass wir gut durchkommen, da wir glatte Straßen gar nicht mehr gewohnt sind.
Inmitten dieser ganzen Umstellungen habe ich das Lied „Hold me Jesus“ (von Rich Mullins/Phil Keaggy) kennengelernt. Musik und Text haben mich sehr beeindruckt; sie spiegeln meine momentane Gefühlslage bei all diesen Umstellungen wider. Es ist gut zu wissen, wer uns in dieser Zeit festhält.
