Sich wundern im Wald: Wenn die kulturelle Landkarte nicht mehr passt

(Kontext: Die Wege zu unseren Lese- und Schreibklassen in den entlegenen Dörfern sind nach dem Regen oft eine Herausforderung aus Matsch und Bächen. Doch die eigentliche Herausforderung ist an diesem Tag nicht der Weg, sondern das, was ich in den Dörfern beobachte. Es ist eine Begegnung mit dem völlig Fremden.)

Das Unverständnis im Gepäck

Oft sitze ich mit den Lehrern und Dorfbewohnern zusammen und wundere mich im Stillen: Wie kann man in so einer Gesellschaft leben? Ich sehe arbeitende Mädchen, Männer, die zusammenhängen, und Frauen, die gelangweilt in Hängematten liegen. Mir fehlt die Wärme, die Liebe, das „Sinnvolle“. Selbst nach fünf Jahren in Kambodscha bleibt mir diese Welt manchmal unverständlich. Doch heute Morgen gingen mir drei „Lichter“ auf:

1. Die Frage nach dem Sinn

Wenn ich das Leben hier mit Deutschland vergleiche, wirken von außen betrachtet vielleicht beide gleich „sinnlos“. Wie würde ein Bewohner dieses Dorfes das Treiben in der Marburger Oberstadt oder auf der Stuttgarter Königstraße beurteilen? Diese Binsenweisheit zwingt mich neu zum Nachdenken: Was genau macht eigentlich mein Leben wertvoll und lebenswert?

2. Ein Land – viele Welten

In Snoul leben 78 % Khmer, 4 % Muslime und 18 % Angehörige von Minderheitenvölkern. Die Dörfer, die ich heute besuchte, gehörten zu diesen Minderheiten. Mir wurde schlagartig klar: Das Leben und Handeln der Khmer habe ich vielleicht zu 60 % verstanden – aber diese Volksgruppen sind grundverschieden. Sprache, Werte, Traditionen – alles ist anders. Meine mühsam erstellte „kulturelle Landkarte“ passt hier einfach nicht mehr.

3. Gottes Perspektive einnehmen

Jesus geht es nicht so wie mir. Ihm sind diese Menschen nicht fremd; er versteht und liebt sie zutiefst. Aber er braucht Menschen, die bereit sind, sich wie er auf sie einzulassen und sie verstehen zu lernen, um ihnen das Evangelium zu bringen. In diesen speziellen Volksgruppen in Snoul weiß ich bisher von keinem einzigen Christen.

Wäre das was für dich? Es braucht Boten, die bereit sind, ihre eigenen Landkarten wegzuschmeißen und sich ganz neu auf das Unbekannte einzulassen.

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