(Kontext: Einmal im Jahr verändert sich die Atmosphäre in Kambodscha schlagartig. Pchum Ben, das Geisterfest, prägt für 15 Tage das gesamte Leben. Es ist eine Zeit, in der die geistliche Dunkelheit fast mit Händen zu greifen ist. Wir erlebten diesen Ausnahmezustand in Snoul hautnah, kurz bevor wir zu unserer Reise aufbrachen.)
Der akustische Ausnahmezustand
Obwohl wir während der Hauptzeit des Festes außer Landes waren, bekamen wir den Auftakt mit voller Wucht mit. Um 3 Uhr morgens wurden wir unsanft geweckt. Die Lautsprecher des örtlichen Tempels waren in alle Himmelsrichtungen ausgerichtet, um schon lange vor dem Morgengrauen lautstark zu verkünden: Die Geister der verstorbenen Familienangehörigen sind zurück und warten auf ihre Versorgung. Dieser ohrenbetäubende Lärm ist normalerweise für zwei Wochen durchgehend von 3 Uhr morgens bis spät in den Abend (21 oder 22 Uhr) zu hören.
Ein Monat „Urlaub“ aus der Hölle
Der Hintergrund dieses Treibens ist die Vorstellung, dass die Geister einmal im Jahr für einen Monat aus der Hölle entlassen werden. In dieser Zeit müssen sie in sieben verschiedenen Tempeln nach Nahrung suchen, die ihnen von ihren Familien dargebracht wird.
Die Darstellung dieser Wesen ist erschreckend: Hungrige Geister werden mit riesigen, leeren Mägen, aber Hälsen so eng wie Nadelöhre beschrieben, was sie in einem Zustand ewigen Hungers gefangen hält. Besonders wer zu Lebzeiten gierig oder eifersüchtig war, fristet laut Tradition dieses Dasein.
Geisterstunde und die Macht der Angst
Da Geister bekanntlich das Tageslicht scheuen, finden die Opferungen bevorzugt in der Nacht statt. Jede Familie ist peinlich genau darauf bedacht, die nötigen Opfer zu bringen. Die Motivation dahinter ist oft nackte Angst: Finden die Geister nichts vor, werden sie böse und suchen ihre Angehörigen mit Krankheiten und Unglück heim.
Unser Standpunkt: Festbleiben gegen die Lüge
Im Gottesdienst haben wir offen darüber gesprochen, dass der Teufel ein Lügner und Mörder ist, der für Menschen niemals etwas Gutes im Sinn hat. Wir schütteln über dieses Fest nicht einfach den Kopf, sondern wir beten intensiv darum, dass die Christen in unserer Gemeinde keine Angst haben.
In der Vergangenheit waren mit dieser Zeit leider oft Rückschläge in unserer Arbeit verbunden. Doch wir ermutigen uns gegenseitig, fest zu bleiben, denn:
„Wenn wir fest mit Jesus verbunden sind und dem Teufel widerstehen, dann flieht er WEIT von uns fort!“ (basierend auf Jakobus 4,7) .
