Keine Mauern, kein Ballast: Jüngerschaft ohne Sicherheitsnetz (Markus 6,7-13)

(Kontext: Diese Andacht wurde 2016 auf ERF Plus ausgestrahlt. Sie verbindet die biblische Aussendung der Jünger mit unseren ganz persönlichen Erfahrungen während der Zeit in Kambodscha.)

Der Auftrag: Jüngerschaft als Praktikum Jesus schickt seine Jünger nicht in einen Hörsaal, sondern ins Praktikum. Die Anweisung in Markus 6 ist radikal: „Nehmt nichts mit außer einem Wanderstab! Kein Essen, keine Tasche, kein Geld.“

Warum verlangt Jesus diesen Verzicht auf Sicherheit? Beim Nachdenken über unseren Dienst in Kambodscha sind mir zwei Gründe wichtig geworden:

  1. Gottes Fürsorge erleben: Man erfährt nur dann, dass Gott wirklich versorgt, wenn man das Risiko eingeht, ohne eigene Absicherung loszumarschieren.
  2. Bedürftigkeit schafft Nähe: Schwäche öffnet Herzen. Wer im materiellen Luxus kommt, beeindruckt vielleicht, aber er schafft selten echte Freundschaft. Echte Beziehung gedeiht auf dem Boden der gegenseitigen Angewiesenheit.

Die Villa oder das Häuschen? Als wir mit OMF in Kambodscha an einen neuen Ort zogen, bot man uns eine Villa an – zweistöckig, hohe Mauern, eine Festung. Aber so wollten wir nicht wohnen. Wir suchten weiter, bis wir ein einfaches Haus fanden. In der Regenzeit tropfte es zwar regelmäßig ins Wohnzimmer, aber unsere Nachbarn hatten keine Hemmungen, bei uns ein und aus zu gehen.

Obwohl wir Ausländer waren, konnten wir so herzliche Beziehungen aufbauen. Wir waren „Menschen zum Anfassen“ – ohne den Ballast einer Mauer zwischen uns und den Menschen.

Vier Schritte für heute:

  • Gehen Sie los: Suchen Sie sich einen Verbündeten („Zwei und Zwei“). Gemeinsam ist man mutiger.
  • Seien Sie ohne Sorge: Fragen Sie nicht, ob Sie qualifiziert genug sind. Gott gibt Ihnen, was Sie für die Situation brauchen.
  • Bauen Sie Beziehungen: Investieren Sie Zeit. Nur so entsteht der Raum, um über Jesus ins Gespräch zu kommen.
  • Beginnen Sie im Kleinen: Es kommt nicht auf die Distanz an. Ob 10 Kilometer oder nur bis zum Nachbarn – wichtig ist das Losgehen.

Ich mache mich jetzt auch auf den Weg. Mein Nachbar wartet schon seit zwei Wochen auf einen Besuch.

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