(Kontext: Unser achter Hochzeitstag stand an. Dank unserer Kurzzeiterin, die auf die Kinder aufpasste, hatten Marlen und ich die seltene Gelegenheit, ganz alleine und privat nach Kratie zu fahren. Der Plan: Einmal raus aus Snoul und etwas Schönes genießen – vielleicht sogar eine Pizza.)
Die Taxifahrt der Superlative
Um 7 Uhr morgens ging es los. Unser Taxi war ein Nissan-Pick-up mit überdachter Ladefläche. Was für uns wie ein geräumiges Modell aussah, wurde hier bis an die Belastungsgrenze ausgereizt: Statt der vorgesehenen 8 bis 10 Personen drängten sich 17 Erwachsene plus Kinder auf die schmalen Bänke. Auf dem Dach saßen noch einmal sechs Männer. Überall, zwischen unseren Füßen und auf dem Dach, stapelten sich Obstsäcke und Gepäck. Es war unfassbar eng, aber irgendwie fand sich für jeden neuen Fahrgast doch noch ein Plätzchen.
Polizei und Busch-Toilette
Kurz vor Kratie gerieten wir in eine Polizeikontrolle. In Deutschland hätten die Beamten wahrscheinlich hunderte Mängel an diesem Gefährt gefunden. Hier ging es nur darum, dass Leute auf dem Dach saßen – ein Problem, das mit ein paar tausend Riel (etwa ein oder zwei Dollar) schnell „gelöst“ war.
Kurz vor der Ankunft gab es noch einen strategischen Stopp. „Wir sind gleich da. Geht besser nochmals pinkeln!“, hieß es. Da es in Kratie keine öffentlichen Toiletten gibt, quälten sich fast alle Fahrgäste aus dem Wagen und schlugen sich in die Büsche. Eine pragmatische Lösung für ein logistisches Problem.
Drei Stunden Freiheit
In Kratie angekommen, folgte die nächste Überraschung: Alle westlichen Restaurants, auf die wir uns gefreut hatten, hatten geschlossen. Anstelle der erhofften Pizza gab es schließlich „nur“ einen Hamburger. Nach drei Stunden „Feiern in Freiheit“ traten wir die Rückreise nach Snoul an.
Es war vielleicht nicht das luxuriöseste Date, aber diese drei Stunden ganz für uns alleine waren Gold wert!
