(Kontext: Letzte Woche war ich auf der Hochzeit meines Sprachlehrers. Die Einladung kam überraschend – bis vor kurzem war er noch überzeugter Junggeselle. Aber in Kambodscha sind es oft die Eltern, die die Braut suchen und den Termin festlegen. Was folgte, war ein Fest, das wenig mit Romantik, aber viel mit Logistik zu tun hatte.)
Einladung mit Umschlag
Anders als in Europa werden hier nicht nur enge Freunde eingeladen. Jeder, der das Brautpaar auch nur entfernt kennt, bekommt eine Einladung mit einem Umschlag. Der Grund ist simpel: Jeder Gast muss Geld in den Umschlag stecken, um die Kosten der Feier zu decken. Sachgeschenke gibt es nicht – nur „Kohle“.
Essen, Trinken, Lärm
Das eigentliche Fest am Abend besteht aus einem üppigen 7- bis 8-Gänge-Menü. Ein Gespräch mit den neun Tischnachbarn ist allerdings unmöglich, da die Band im Hintergrund in einer Lautstärke spielt, die jede Unterhaltung im Keim erstickt. Also konzentriert man sich auf das Wesentliche: Man isst und versucht, in der knappen Zeit so viel Bier wie möglich zu trinken. Das gezahlte Geld soll sich schließlich lohnen.
Die Überraschung: „Mein Land – Mein Bier!“
Diesmal gab es jedoch eine Besonderheit: Es wurden Reden gehalten. Wer nun Glückwünsche für das Brautpaar oder ein Dankeschön an die Gäste erwartete, wurde enttäuscht. Stattdessen hielt die Firma „Angkor Bier“ einen heftigen Werbeblock ab. Der Redner lobte die Qualität und den Preis ihres Produkts und erklärte lauthals das Bonus-System: Wer für eine Hochzeit ihr Bier ordert, bekommt pro zehn Kisten eine halbe Kiste geschenkt!
Ein trauriges Fazit
Ich saß da und konnte nur den Kopf schütteln. Es tat mir wieder einmal in der Seele leid zu sehen, dass der Alkoholsektor hier fast das Einzige ist, was sichtbar und spürbar große Sprünge nach vorne macht. Während das Leben der Menschen oft stagniert, floriert das Geschäft mit dem Rausch – sogar am „schönsten Tag des Lebens“.
