(Kontext: Nur 18 Kilometer trennten unser Haus in Snoul von der vietnamesischen Grenze. Jahrelang hatten wir Ausflüge mit dem Motorrad bis zum Schlagbaum gemacht und mit den Grenzgängern geplaudert. Kurz vor unserer endgültigen Rückkehr nach Deutschland war es endlich so weit: Wir besuchten das Land, das uns so lange als Nachbar begleitet hatte.)
Die Bürokratie der 400 Meter (17. September)
Der Weg war kurz, aber beschwerlich: 18 Kilometer über eine absolut holprige Piste bis zur Grenze. Doch die wahre Hürde war die Bürokratie. Für eine Strecke von gerade einmal 400 Metern und drei Stempel benötigten wir insgesamt eine Stunde und 15 Minuten. Die Beamten nahmen unsere Pässe genauestens unter die Lupe und füllten sogar unsere Ausreisekarten neu aus, weil sie meine Schrift nicht entziffern konnten.
Ein kleiner Dämpfer: Als ich meine Familie beim Grenzübertritt fotografieren wollte, verstand der vietnamesische Wachposten keinen Spaß. Ich musste sämtliche Bilder der Grenze löschen. Unser Fahrer kommentierte trocken, die Vietnamesen wollten nicht dokumentieren lassen, wie viel Land sie Kambodscha „gestohlen“ hätten – die alte Rivalität zwischen den Nachbarn war sofort spürbar.
Kaum auf der anderen Seite, änderte sich alles: Wir mussten uns daran gewöhnen, nicht mehr verstanden zu werden. Alles sah ähnlich aus, und doch war es anders. Am meisten beeindruckten uns die perfekt geteerten Straßen, die direkt ab der Grenze begannen. Ein Anblick, der uns schmerzlich daran erinnerte, was in Kambodscha mit etwas mehr politischem Willen auch möglich wäre.
Großstadtstress und Lazarett am Traumstrand (22. September)
Nach vier Tagen im quirligen Ho-Chi-Minh-City (Saigon) stand fest: Diese Stadt ist nichts für Familien mit kleinen Kindern. Der Verkehr war so wahnsinnig, dass die Schutzengel der Kinder Sonderschichten einlegen mussten. Ein Besuch im War Memorial Museum mit seinen beeindruckenden Kriegsfotografien blieb mir besonders im Gedächtnis – Bilder aus einer Zeit, als Reporter noch nicht „eingebettet“ waren.
Nach fünf Stunden Fahrt haben wir nun Mui Ne erreicht. Der Strand ist ein Traum, der Wind perfekt zum Kiting (was mich nach meinen Erlebnissen in Sankt Peter-Ording sehr reizen würde!). Doch der „Traumurlaub“ hat einen Haken: Unsere drei Mädels sind alle gleichzeitig krank. Fieber, Halsweh, Durchfall – wir teilen uns ein Zimmer und pflegen unser kleines Lazarett. Ein echter Familienurlaub eben. Pech gehabt, aber wir genießen zumindest die Meeresbrise durch das Fenster.
