(Kontext: In der letzten Woche sind mir drei Schicksale begegnet, die mich tief bewegt haben. Sie zeigen die harte Realität eines Landes, in dem Krankheit und Behinderung oft nicht nur als körperliches Leid, sondern als spirituelle Last gesehen werden.)
Das dreijährige Mädchen: Ein Erbe des Krieges
Ich traf sie bei ihrer Tante, als ich dort Geld wechselte. Ein aufgewecktes, schlaues Kind. Doch die Diagnose wiegt schwer: Sie hat Aids. Ihr Vater ist Soldat. Beide Eltern leben mittlerweile woanders und haben das kleine Mädchen bei der Tante zurückgelassen. Ein Leben, das kaum begonnen hat und bereits von einer schweren Krankheit und Einsamkeit gezeichnet ist.
Das sechsjährige Mädchen: Die Narben des Waldes
Sie wurde mir im Nachbardorf vorgestellt. Vor einem Jahr fanden drei Kinder eine scharfe Bombe im Wald – ein trauriges Überbleibsel der Kriege – und schlugen mit Stöcken darauf. Die beiden älteren Kinder starben bei der Explosion. Das kleine Mädchen überlebte mit schweren Verbrennungen an beiden Beinen. Da die vernarbte Haut beim Wachsen nicht mitdehnt, spannt sie nun so sehr, dass sich ihre Zehen langsam nach oben biegen.
Das vierzehnjährige Mädchen: „Verrückt“ oder verstoßen?
Gestern begegnete ich ihr. Ein hübsches Mädchen, aber die Dorfbewohner nennen sie „Tsch-gued“ (verrückt). Dabei ist sie vermutlich nur geistig behindert; sie kann nicht sprechen, nur hoch kreischen. Ich musste mit ansehen, wie Dorfjungs sie mit Fäusten bedrohten, als sie das Schulgebäude betreten wollte. Ein Mann erzählte mir, dass der Vater sie oft verprügelt. Obwohl ich seit Jahren in dieses Dorf komme, hatte ich sie noch nie gesehen – sie wurde schlicht versteckt.
Gefangen im Karma
Was für ein Schicksal für Eltern und Kind in einem Land, in dem Krankheit oft als Ergebnis von Sünde oder schlechten Taten in einem früheren Leben interpretiert wird! In dieser Weltanschauung gibt es wenig Raum für Mitgefühl, sondern eher für Scham und Ausgrenzung.
Es schmerzt zu sehen, wie sehr diese Menschen die Botschaft von der bedingungslosen Liebe Gottes brauchen, die nicht nach Schuld fragt, sondern Heilung und Würde schenkt.
