(Kontext: August 2005. Wir stehen vor einer Premiere: Wir wollen als erste westliche Familie überhaupt in Snoul sesshaft werden. Doch wie findet man ein Zuhause in einem Ort, in dem das Konzept „Mieten an Weiße“ völlig unbekannt ist? Eine Reise zwischen sintflutartigem Regen und schwierigen Entscheidungen.)
Pionierarbeit und Vorurteile
Zum ersten Mal seit unserem Heimataufenthalt ging es nach Snoul. Begleitet von unserer schottischen Kollegin Muriel machten wir uns auf den Weg – und wurden erst einmal mit einer kalten Dusche begrüßt: „Es gibt im ganzen Ort niemanden, der vermieten möchte“, hieß es kurz nach der Ankunft. Schock!
Da wir die ersten Ausländer sind, die hier ein Haus suchen, fehlte den Leuten schlicht die Erfahrung. Wir mussten buchstäblich durch das Dorf spazieren, mit den Menschen reden und erst einmal Vorurteile abbauen. Viele dachten, wir bräuchten eine Luxus-Villa mit Klimaanlage. Sobald sich herumgesprochen hatte, dass wir ganz normal leben wollen, wendete sich das Blatt: Plötzlich trudelten beim Abendessen im Restaurant immer mehr Angebote für Hütten und Häuser ein.
Die Qual der Wahl: Drei Häuser, drei Welten
Um die Kinder vor der strapaziösen 12-Stunden-Fahrt (6 Stunden pro Strecke!) zu schonen, fuhr Joachim schließlich allein zur zweiten Besichtigungstour. Drei Optionen kristallisierten sich heraus:
- Option 1: Das baufällige Holzhaus
Zentral gelegen, aber in einem Zustand, der eine riesige Renovierung erfordert hätte. Zudem waren noch Zimmer an Einzelpersonen untervermietet, denen man erst hätte kündigen müssen – kein idealer Start für eine Familie. - Option 2: Das authentische Khmer-Leben
Ein wunderschönes, typisches Holzhaus in einem idyllischen Obstgarten. Viel Schatten, nette Nachbarn und ein „Sicherheits-Plus“, da eine Frau mit ihren Kindern direkt darunter wohnen bleiben würde. Aber die Herausforderung war immens: Kaum Platz für Möbel, Schlafen im Wohnzimmer hinter einem Vorhang, Essen auf dem Boden. Wir fragten uns ernsthaft: Können wir so einfach leben? - Option 3: Ein Steinhaus (Unsere Wahl) – eine Art solide, kleine „Khmer-Villa“.
Die Entscheidung für das Steinhaus
Wir haben uns für das Steinhaus entschieden. Es hat vier Zimmer und eine Küche mit angeschlossenem „Badezimmer“. Letzteres war bei der Besichtigung so dunkel, dass ich ehrlich gesagt gar nicht weiß, wie es drinnen aussieht…
Das Haus ist grundsätzlich gut in Schuss, hat aber kambodschanische Eigenheiten: Ein Zimmer hat beispielsweise gar keine Fenster! Der Vermieter hat nun zwei Wochen Zeit, unsere Liste abzuarbeiten: Fenster einbauen, Fliegengitter anbringen, Stromleitungen legen und Lampen installieren.
Strategische Trennung: Das Büro im Holzhaus
Zusätzlich haben wir ein Zimmer im Holzhaus nebenan als Büro gemietet. Das hat zwei Vorteile: Zum einen lässt es sich für die Schreibarbeit besser konzentrieren, wenn man das Haus verlässt. Zum anderen ist es kulturell angepasst: Ein separates „OMF-Büro“ genießt im Ort ein höheres Ansehen als ein Schreibtisch im Wohnzimmer.
Der Fahrplan
Am 14. September bringt Joachim die Möbel aus dem Lager in Kratie nach Snoul. Der Umzug der gesamten Familie ist für den 19. September geplant. Wir sind gespannt und bitten um Gebet für die Handwerker, den Umzug und dass Jesus uns zu einer zuverlässigen Haushilfe und guten Sprachlehrern führt.
Regen, wie man ihn nur in Kambodscha kennt
Während der Suche erlebten wir wieder diesen unglaublichen Regen, den wir in Deutschland fast vermisst hatten. Wenn es hier „kübelt“, ist man nach zwei Schritten klatschnass. Das schafft keine deutsche Dusche!
Wir sind unglaublich dankbar: Es wurde so viel für diese Suche gebetet, und nun haben wir ein festes Dach über dem Kopf. Snoul, wir kommen!
