(Kontext: In Snoul anzukommen bedeutet, mit offenen Augen durch die Nachbarschaft zu gehen. Wir merken schnell, dass unser Status als Ausländer uns Türen öffnet, die wir so nicht erwartet hätten – doch wir lernen auch die schmerzhafte Dynamik von Abschieden in einer sehr mobilen Gesellschaft kennen.)
Besuch aus Vietnam: Bücherhunger an der Haustür (29. Oktober)
Ein fremder Mann klopfte an unsere Tür und fragte direkt: „Habt ihr religiöse Bücher?“ Zuerst war ich unsicher – suchte er buddhistische Schriften? Doch schnell wurde klar: Er suchte nach christlichem Material. Da er aus Vietnam stammt, freute er sich riesig, als ich ihm zusätzlich zu den Khmer-Traktaten auch Hefte und ein Neues Testament in seiner Muttersprache geben konnte.
Er erzählte, dass er in Vietnam zur Kirche geht, seine Kinder hier in Snoul aber bisher keinen Anschluss haben. Er nahm die Bücher für sie mit und wollte ihnen sagen, wann und wo wir uns treffen. Es ist genial, wie Gott uns die Leute einfach schickt. Als westliche Ausländer fallen wir hier so auf, dass die Menschen sofort vermuten, wir seien Christen – und uns direkt als Ansprechpartner für ihre Fragen wählen.
Update: Wenn Häuser über Nacht verschwinden (07. November)
Nach einer Woche in Phnom Penh kehrten wir gestern nach Snoul zurück und trauten unseren Augen nicht: Das Haus unserer vietnamesischen Nachbarn war weg. Wo eben noch Leben war, ist jetzt eine Baustelle. Die Familie hat ihr Land für gerade einmal 1400 US-Dollar verkauft und ist weitergezogen. Wohin? Das wissen wir nicht.
Es ist unglaublich schade, denn wir hatten sie als nette Nachbarn liebgewonnen und gehofft, sie näher zu Jesus führen zu können. Doch wir halten uns an Gottes Zusage: Sein Wort kommt nicht leer zurück! Sie haben die Traktate und das Neue Testament im Gepäck. Wir vertrauen darauf, dass Gott diese Samen aufgehen lässt, egal wo sie jetzt ihr neues Zuhause bauen.
