Das Heimreise-Abenteuer: Zwischen Flughafen-Blockaden und Gottes Wundern

(Kontext: Ende November 2008. Unsere Zeit in Kambodscha endete mit einem echten Krimi. Während politische Unruhen in Bangkok den Flugverkehr in Südostasien lahmlegten, saßen wir auf gepackten Koffern. Was folgte, war eine Lektion in Sachen Vertrauen und ein überwältigendes Willkommen in der Heimat.)


Der Stillstand: Stuck in Phnom Penh

Es sollte eigentlich alles nach Plan laufen. Marlen hatte bereits alles für die große Reise gepackt – ein logistisches Meisterwerk, wie jeder weiß, der mit drei kleinen Kindern umzieht. Doch dann die Nachricht: In Bangkok geht nichts mehr. Demonstranten hatten den Flughafen besetzt. Wir saßen in Phnom Penh fest, und die Frustration war riesig. Die Vorstellung, mit drei Kindern im „Massenlager“ eines versifften Terminals in Bangkok auszuharren, war kein schöner Gedanke.

Doch mitten im Chaos tat sich eine Tür auf: Ich konnte einen neuen Flug für Samstag über Kuala Lumpur nach Frankfurt ergattern. Dass wir von unserem Urlaub im Januar noch malaysische Ringgit übrig hatten, erwies sich jetzt als goldrichtig für den geplanten 10-Stunden-Aufenthalt.

Wunder über Wunder: Das perfekte Timing

Als ich die reservierten Tickets bei Phallim im Reisebüro abholte, kam ich aus dem Staunen nicht heraus. „Du hast riesiges Glück gehabt!“, sagte sie. Sekunden nach meiner Buchung war alles ausgebucht. Aber Gott setzte noch eins drauf: Malaysia Airlines spendierte uns für die lange Wartezeit in Kuala Lumpur zwei Hotelzimmer direkt am Flughafen – inklusive Verpflegung und Taxi. Kostenlos!

Mitten in diesen Organisationsmarathon platzte am Donnerstagmorgen um 4 Uhr ein heftiger Zahnschmerz. Eine frische Füllung hatte sich entzündet. Paracetamol half nicht mehr, doch auch hier war das Timing perfekt: Ein deutscher Zahnarzt konnte mich sofort behandeln und die Entzündung stoppen. Ein Langstreckenflug mit einer Knochenentzündung wäre der reinste Horror gewesen.

Der letzte Abschied und der Sprung über den Ozean

Der Freitag war geprägt von Abschieden und Müdigkeit. Wir besuchten noch einmal den einzigen Open-Air-Spielplatz in Phnom Penh und die Kinder spielten ein letztes Mal mit ihren Freunden. Wir waren alle erschöpft und wünschten uns nur noch, endlich unterwegs zu sein. Die Gutscheine für das Hotel in Malaysia waren sicher im Gepäck – ein kleiner „Puffer“ der Ruhe, bevor es in den kalten Norden gehen sollte.

Endlich angekommen: Die Seele geht zu Fuß

Sonntag, 30. November, 5:45 Uhr: Frankfurt am Main. Die kalte Morgenluft empfing uns, als wir wohlbehalten landeten. Mein Vater, Dorothea und unser Missionsleiter Hans-Walter Ritter holten uns ab und brachten uns in unser neues Zuhause nach Mücke.

Was uns dort erwartete, hat uns fast die Sprache verschlagen: Unsere Wohnung war nicht nur super eingerichtet, sondern Freunde aus Marburg und Leidenhofen hatten bereits alles vorbereitet. Möbel waren besorgt, das Geschirr war eingeräumt (und vorher sogar gespült!), Kleider lagen bereit – es fehlte uns an absolut nichts. Wir erlebten eine unglaubliche Liebe und Fürsorge.

Nun sind wir erst einmal müde. Wie unser Freund Holger auf seine Willkommenskarte schrieb: „Die Seele geht zu Fuß.“ Wir nehmen uns nun die Zeit, das Alte in Kambodscha loszulassen und uns auf das Neue in Deutschland fröhlich einzulassen.

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