Abschied von Snoul: Nachtfahrt, Staus und Schmiergeld

(Kontext: November 2008. Nach drei intensiven Jahren in Snoul heißt es Abschied nehmen. Der Umzug nach Phnom Penh wird zu einer nächtlichen Odyssee durch Staus und Polizeikontrollen – ein letztes großes Abenteuer, bevor sich der Kreis in Kambodscha für uns schließt.)

Das Haus auf dem Kopf

Gestern war der große Umzugstag. Das Haus wurde komplett auf links gedreht: Playmobilfiguren wurden aus den letzten Ecken gefegt, die letzten Habseligkeiten verkauft. Um 15 Uhr kam der Pick-up für die Kisten, Kartons und Möbel. Ein gemeinsames Abendessen im Open-Air-Grillrestaurant mit Kollegen und Freunden bildete den Abschluss, bevor wir uns in die Nacht aufmachten.

Biancas Gebet und die „Bonzen-Landcruiser“

Wegen des Boot-Festivals in Phnom Penh war die Stadt für Transportfahrzeuge eigentlich gesperrt. Prompt landeten wir in einem kilometerlangen Stau, in dem LKW-Fahrer schon seit Stunden in der Dunkelheit ausharrten. Bianca hatte die rettende Idee: „Papa, wir müssen beten, dass der Stau aufhört!“ Kaum war das Gebet gesprochen, passierte es: Vier noble Landcruiser der „Mächtigen und Reichen“ drückten sich auf der Gegenspur vorbei. Die Polizei machte den Weg frei, unser Fahrer hängte sich geistesgegenwärtig dran – und Minuten später lag die Blechschlange hinter uns!

Bestechung auf Kambodschanisch

Kurz vor Phnom Penh der nächste Stopp: Fahrverbot. Unser Fahrer praktizierte das, was hier so natürlich ist wie Essen und Trinken: Er hielt eine Handvoll Scheine aus dem Fenster. Als der Polizist uns trotzdem beiseite winken wollte, rief unser Fahrer empört: „Ich habe dir 5.000 Riels gegeben!“ (ca. 1 Euro). Das wirkte – der Beamte trat zur Seite und ließ uns passieren. Unsere Kollegen kommentierten diesen Erfolg heute Morgen treffend als unseren ganz persönlichen „Durchzug durch das Rote Meer“.

Ankunft mit lachendem und weinendem Auge

Jetzt sind wir in Phnom Penh, die Möbel sind im Lager verstaut. Die Kinder relaxen bei „Biene Maja“, während wir versuchen, zur Ruhe zu kommen. Doch sobald wir die Augen schließen, wandern wir im Geist noch durch die Straßen Snouls, spazieren durch den Gummiwald oder sitzen mit Freunden vor dem Haus.

Wir sind unglaublich dankbar für Gottes Segen in den letzten drei Jahren – und gleichzeitig tief traurig über den Abschied. Ein gutes Zeichen, denke ich!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen